Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V.

5. Nordeuropäische E-Mobil-Rallye


KÜS-Team mit Mitsubishi i-MIEV im Mittelfeld

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Nicht Beschleunigung oder Höchstgeschwindigkeit zählten bei der fünften Auflage der Nordeuropäischen E-Mobil-Rallye – Orientierung und Gleichmäßigkeit waren vielmehr entscheidend. Mehr als 330 Kilometer Strecke und 12 Wertungsprüfungen wurden gefahren, bevor Michael Leschek und Holger Haulsen von den Schleswiger Stadtwerken auf einem Mitsubishi i-MIEV als Gesamtsieger feststanden. Auf dem gleichen Modell, als KÜS-Team in der Journalisten-Wertung gestartet, reichte es für meinen Flensburger Beifahrer Peter Heuer und mich nur zu einem 16. Platz.

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Verbindungsetappen auf öffentlichen Straßen und Wertungsprüfungen auf abgesperrten Strecken prägten grundsätzlich auch die E-Mobil-Rallye. Mehr als sonst üblich, kommt es aber auf den Beifahrer an. Der muss nicht ausschließlich nach Roadbook navigieren, denn wer als Rallye-Anfänger bisher an nicht mehr als fünf Orientierungsrallyes teilgenommen hat, darf ein Navigationsgerät oder ein Tablet mit Navi-Funktion verwenden. Bei den Etappen, in denen nach kilometrierten Chinesen-zeichen gefahren wird, empfahlen die Veranstalter statt der Verwendung des Tageskilometerzählers eine App mit GPS-Entfernungsfunktion wie z. B. Trip-Road Pro.

Bei der Ausarbeitung der Orientierungsaufgaben war Teamarbeit ebenso gefragt wie anschließend auf der Strecke:

Rallye-Regeln wie „auf Bundesstraßen nur nach rechts einbiegen“ mussten beachtet, winzige Einzeichnungen in Kartenausschnitten erkannt und Kontrollnummern am Straßenrand in der Bordkarte notiert werden.

Gleichmäßigkeitsprüfungen waren sekundengenau zu absolvieren und Durchfahrtskontrollen von der richtigen Seite her zu passieren. Überschreitung der relativ großzügigen Zeitvorgaben brachte zwar Fehlerpunkte, Vorzeit war jedoch erlaubt.

Am ersten Tag war der Start an der Fischerbrücke in Flensburg mit einer Beschleunigungsprüfung verbunden und über eine 86 Kilometer lange Orientierungsetappe ging es mit 34,9 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit zum Green Tec Campus auf dem ehemaligen Marine-Depot „Enge Sande“. Auf dem 127 Hektar großen Gelände waren vor einer zweieinhalbstündigen Aufladepause noch eine Gleichmäßigkeitsprüfung und eine Orientierungsetappe über rund zehn Kilometer zu fahren. Anschließend startete mit einer Leistungsprüfung die 58 Kilometer lange Orientierungsetappe zurück nach Flensburg und endete dort in der Stadtmitte auf dem Südermarkt.

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Am Ende des ersten Wettkampftages trafen sich Teilnehmer und Gäste auf Einladung der Autohäuser May & Olde (BMW) und Lüdemann & Zankel (Renault) im Traditionslokal Borgerforeningen zum Essen. Neben der Vermittlung von interessanten Erfahrungen und netten Kontakten verfolgt die E-Mobil-Rallye auch das Ziel, die E-Mobilität im Land der erneuerbaren Energien Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft greifbar zu machen und die von ihr ausgehenden Chancen für das Tourismusland mit seinen elektrotechnischen Instituten und Unternehmen den Bürgern näher zu bringen. So gab es nach Grußworten der Autohäuser mit Berichten zur Markt-entwicklung für Elektromobile auch Ausführungen zu „Energiewende und Mobilität“ durch MdL Detlef Matthiessen, Vorsitzender des Fraktionsarbeitskreises Wirtschaft, Energie, Verkehr und Innovation bei Bündnis 90/Die Grünen und „Ausblicke auf die Elektromobilität in Schleswig-Holstein“ durch Stephan Wiese vom GreenTEC Campus.

Am zweiten Rallye-Tag erfüllte die Streckenwahl für die 30 Teilnehmer wieder den „internationalen“ Anspruch der E-Mobil-Rallye. Über Nacht komplett aufgeladen, ging es vom Südermarkt aus mit zwei Gleichmäßigkeitsprüfungen über Kollund und Dybbol – vorbei an den „Dübbener Schanzen“ – zur Zeitkontrolle ins 45 Kilometer entfernte Sønderborg. Dann folgte mit zwei weiteren Gleichmäßigkeitsprüfungen eine Ostseeküstenrunde zum Fernwärme-Müll-Kraftwerk Sønderborg-Vestermark. Dort war nach 103 Kilometern wieder eine Aufladepause. Anschließend bildete auf dem Fahrsicherheitszentrum Sønderborg ein Rundkurs mit spektakulärer Wasserdurchfahrt auf glattem Asphalt den Auftakt für die rund 60 Kilometer lange Gleichmäßigkeits-Rückfahrt nach Flensburg.

Die Stromaufladung vor dem Start, unterwegs und über Nacht war für das Ladelogistik-Team um Jan Obernauer eine Herausforderung. Die Autos mussten während des Aufladevorgangs zugänglich sein, um bei einem evtl. Stromausfall den Vorgang neu zu starten. In Flensburg wurden an der Schiffbrücke und auf dem Südermarkt jeweils über einen Baustrom-Anschluss gut ein Dutzend Steckdosen und zwei mobile Schnelllader bereitgestellt. Reibungslos funktionierte die Aufladug nicht: An der Schiffbrücke zeigte bei halb geladener Batterie unseres i-MIEV ein Schnelllader „Keine Kommunikation“ bzw. der andere „Voll geladen“ an und am dänischen Stromnetz streikte ein Schnelllader völlig. Dafür gab es in Sønderborg zwei öffentliche Schnelllader, die nach Beschaffung der entsprechenden Karten problemlos funktionierten!

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Bei der Siegerehrung durch Fahrtleiter Ingo Buck – die Nordeuropäische E-Mobil-Rallye wird vom ECO-Mobility e.V. aus Kiel organisiert und mit Unterstützung durch den ADAC Schleswig-Holstein, den MSC Nordmark Kiel und den AC Flensburg durchgeführt – zeigte sich einmal mehr, dass es am wenigsten auf die Leistung der Fahrzeuge ankam: Den 1. und 2. Platz belegten mit jeweils nur 49 kW/67 PS ein Mitsubishi i-MIEV bzw. ein baugleicher Peugeot iON. Die nächsten drei Ränge gingen an Renault ZOE mit der gleichen Leistung. Erst dahinter rangierte der 270 kW/367 PS starke und 200 km/h schnelle Tesla S mit 500 Kilometer Reichweite, der bei der Startprüfung nach 40 Metern schon 78 km/h erreicht hatte. Die Renault ZOE schafften dagegen beim Schnellstart „nur“ 60 km/h und Mitsubishi i-MIEV bzw. Peugeot iON immerhin 55 km/h. Traurig musste aber trotz 490,- bzw. 590,- Euro Startgeld fast niemand sein, denn für die erste Hälfte der Teilnehmer gab es Pokale und darüber hinaus auch noch Preise beim Wanderpokal der Autohäuser, im Hochschul-Cup, bei einzelnen Wertungsprüfungen und für die Presse.

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