Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V.

Autoklau mit Hilfe der OBD-Schnittstelle


Geräte zur Schlüssel-Programmierung gibt’s im Internet

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Wer das richtige Stichwort kennt, braucht nicht lange zu suchen – das macht die Suchmaschine im Internet für ihn. Schnell zeigen sich zahlreiche Videos, bei denen sich bei braven Bürgern die Nackenhaare aufstellen. Ihr Inhalt: Geräte zum Autoklau ganz ohne Spuren. Nur wenige Sekunden dauert es, bis das Fahrzeug mit elektronischer Hilfe geöffnet ist. Dann ist es kein Problem, eine weitere Apparatur mittels OBD-Stecker (On-Board-Diagnose) an das bordeigene Diagnose-System anzuschließen. Und flugs wird ein leerer Schlüssel so programmiert, dass sich mit ihm das Fahrzeug öffnen und starten lässt.

Schnelles Geld für Diebe und dubiose Werkstätten

Auf der englischsprachigen Internetseite des Herstellers – deren Domain sich stark an die frühere Teiledistribution eines großen deutschen Autobauers anlehnt – finden sich die Logos nahezu aller großen Marken. Natürlich mahnt das Unternehmen mit Hauptsitz in Bulgarien die Kunden, dass „alle Geräte nur für offiziellen Gebrauch verkauft werden. Wenn Sie sie für illegale Zwecke verwenden, so geschieht das auf eigene Verantwortung [drei Ausrufezeichen]“. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt.

Die Anschaffungspreise von mehreren tausend Euros haben Profis schnell wieder heraus. „Autos werden oft in Einzelteile zerlegt und verkauft“, weiß Matthias Schulz von der LVM-Versicherung in Münster. „Eine Xenon-Scheinwerfereinheit kostet regulär rund 3.500 €, illegal dagegen einen Tausender.“ Schnelles Geld sowohl für Diebe als auch dubiose Werkstätten, die später dem Kunden höhere Preise in Rechnung stellen.

Bei Einbruch ins Haus ist oft auch das Auto weg

Der Versicherungsexperte rät daher besonders Fahrern teurer Autos, diese möglichst in abgeschlossenen Garagen abzustellen. Jeder kennt sicher einige Fälle in der Nachbarschaft, wo das teure Stück Blech draußen übernachtet, weil die Garage mit anderen Dingen vollgestellt ist. Vom Bobbycar bis zum Rasenmäher.

„Man sollte es den Tätern nicht zu leicht machen“, mahnt Schulz. Dazu gehört zum Beispiel auch der Autoschlüssel im Schlüsselkasten im Flur oder in der obersten Garderobenschublade. Wird ins Haus eingebrochen, ist das Auto gleich mit weg – auch ohne teure elektronische Hilfsgeräte. Wenn dann noch der Kfz-Schein hinter die Sonnenblende geklemmt ist, übersteht der Täter auf dem Weg gen Osteuropa sogar locker eine Polizeikontrolle. Schließlich ist das Fahrzeug zu diesem Zeitpunkt meist noch nicht als gestohlen gemeldet. 1993 erreichte der Autoklau mit 105.543 kaskoversicherten Pkw laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) seinen Höhepunkt. Der Gesamtschaden lag bei 800 Mio. Euro.

2014 wurden bundesweit „nur“ noch 17.895 Pkw entwendet, für die die Versicherungen aber 262 Mio. Euro erstatten mussten. Liebling der Autodiebe war 2014 der Range Rover 3.0 TD, gemessen an der Zahl zugelassener Autos, vor BMW X6 Xdrive 40 D und Lexus RX350. Aktiven Schutz bieten GPS-Ortung oder zusätzliche Transponder zur Wegfahrsperre – in einigen Ländern ist das bei teuren Fahrzeugen oft Auflage der Versicherer.

Internet-Portale „helfen“ beim Diebstahl

Viel zu sorglos gehen Autobesitzer auch mit ihren Daten im Internet um, erläutert LVM-Mann Schulz. Die Fahrzeuge werden mit Kennzeichen abgebildet und natürlich detailliert beschrieben. Über den Konfigurator bei Verkaufsplattformen wird so der Diebstahl auf Bestellung zum Kinderspiel.

Schulz erzählt auch von einer Masche an Autohäusern mit Nachtbriefkästen, in die Kunden nach Feierabend den Schlüssel für die Inspektion am nächsten Tag einwerfen können. Böse Buben hängten an den regulären Kasten einen Zettel mit dem Hinweis „defekt“ und deponierten daneben ihren eigenen einfachen Briefkasten. Oder der offizielle Nachtbriefkasten wurde nahezu komplett mit Sand gefüllt, sodass die Schlüssel anschließend problemlos wieder herausgezogen werden konnten.

„Man sollte jede Situation mit den Augen von Tätern sehen und dann mit einfachen Mitteln entschärfen“, ist der Rat von Matthias Schulz. Dazu gehört auch, einfachen Briefkästen gar nicht zu vertrauen.

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