Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V.

Autos für 1.000 Euro


Preiswert und sicher?

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Das Problem bei Anfängerautos ist fast immer das gleiche: Das Geld ist knapp. Eltern oder Großeltern steuern ein bisschen Geld dazu, und das Angebot ist unübersichtlich: Große Autohäuser stellen sich aufgrund des Gewährleistungsrechts keine Einsteigerkarren mehr auf den Hof, also wird von privat gekauft oder vom freundlichen Wimpelhändler um die Ecke. Da weder Oma noch Führerscheinanfänger Ahnung von Autos haben, wird nach Schönheit und Farbe entschieden. Glänzende Räder, ein USB-Radio oder eine schicke Farbe zählen mehr als die inneren Werte.

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Dabei können Autokäufer nirgendwo sonst so viele Fehler machen wie beim Kauf des ersten Autos. Gerade bei Führerschein-Neulingen sollte die Sicherheit an erster Stelle stehen. Airbags, ABS, Sicherheitsfahrgastzelle und die Elektronische Stabilitätskontrolle ESP gegen Schleudern auf glatter Straße sollten zum Pflichtenheft gehören. Und hier entscheiden manchmal nur Monate bei der Erstzulassung und wenige Euro Unterschied, ob es sich um ein sicheres oder kritisches Anfängerauto handelt. Beispiel Ford Fiesta: Bis 2001 wurde der Fiesta ohne Sicherheitsfahrgastzelle gebaut. Im ADAC-Crashtest erhielt er deshalb nur drei Sterne. Seit dem Generationswechsel 2001 ist der Fiesta ein völlig neues Auto mit moderner Sicherheit. Heißt: Airbags, ESP und Sicherheits-Fahrgastzelle. Das Vorgängermodell kostet 900–1.300 Euro. Den Nachfolger gibt es schon ab 1.600 Euro. Die Preisdifferenz ist bestens angelegt.

Der Volkswagen Lupo wird vor allem wegen seiner knuffigen Optik gekauft. Die Preise sinken nicht mehr runter. Viele Anfänger wollen einen billigen Lupo fahren. Hauptsache überhaupt einen. Und so kostet ein 1999er-Modell mit 1.000–1.500 Euro fast das gleiche wie ein 2001er-Baujahr. Der große Unterschied, auf den keiner achtet: Erst ab Baujahr 2001 gibt es die serienmäßigen Frontairbags sowie das serienmäßige ESP. Vier von fünf Sternen im Euro-NCAP-Crashtest.

Generell gilt: Nur Gebrauchtwagen kaufen, die eine neue Hauptuntersuchung haben. Eine neue HU-Plakette bietet ein Mindestmaß an Sicherheit. Es lohnt vor dem Kauf der Blick in den Prüfbericht, da hier auch leichte Mängel vermerkt sind. Hände weg von illegalem Tuning: Tieferlegung, Sportauspuff, Leuchten und Lenkrad sind ein beliebtes Zubehör in der Billigklasse. Nur: Die Extras müssen auch in die Papiere eingetragen sein, es muss eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) vorliegen. Sonst erlischt der Versicherungsschutz. Im Zweifelsfall beim KÜS-Partner in der Nähe vorfahren.

Beispiele für beliebte «Anfängerautos»

VW Lupo

Fensterheber und Abgasventil können versagen. Die besten Baujahre sind ab 2001 mit ABS, ESP und Airbags. Sparsame Motoren. Zu recht ein gesuchtes Anfängerauto.

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Renault Twingo

Der Renault Twingo war im Jahr 1993 eine Revolution. Er ist die Ente des 21. Jahrhunderts: In Deutschland wurden allein 500.000 Stück verkauft. Es gibt ihn mit neuer HU und Faltdach schon für knapp 800 Euro. Er funktioniert tadellos. Einmal vom Rost befallen, ist er aber nur noch ein Fall für die Schrottpresse. Seine Sicherheitsausstattung ist eine Katastrophe: Fahrer-Airbag gab es in der Serie erst ab 1994, Beifahrer-Airbags ab 1995, ABS nur gegen Aufpreis und ESP gar nicht. Traurige drei Sterne im Euro-NCAP-Crashtest.

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Mercedes C180

Der absolute Geheimtipp. Schon ab Baujahr 1999 hat er serienmäßig ABS, ESP, Airbags und viel Blech um sich. Da meistens Senioren mit ihm unterwegs waren, ist die Versicherung günstig. Mit einem nachgerüsteten Kaltlaufregler für etwa 150 Euro kann von Euro 1 auf die günstigere Steuerklasse Euro 2 umgeschlüsselt werden. Ersatzteile sind reichlich und günstig zu bekommen. Der Verbrauch liegt bei etwa 7,5–9,5 Liter Benzin E10. Vorsichtig vor rostigen Exemplaren. Mercedes hatte Ende der 90er Jahre ein Korrosionsproblem. Abzuraten ist von Dieseln mit gelber oder roter Umweltplakette. Ein Freund fürs Leben.

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