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Autositz-Entwicklung bei Opel


Vom Kutschbock zum 18-Wege-Sessel mit Massagefunktion

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1899 erinnerte das gesamte Auto wie etwa der Opel Patent Motorwagen, System Lutzmann, sowie dessen Sitze noch an eine Kutsche. Es gab keinerlei Einstellmöglichkeiten. Daran mangelte es auch 1909 beim erfolgreichen Opel Doktorwagen, der mit schräg stehendem Lenkrad, Motor vorn und Antrieb auf die Hinterachse schon ein „richtiges“ Automobil im heutigen Sinne war. Trotz aufwändig gesteppter Lederpolsterung saßen Fahrer und Beifahrer weiterhin eher auf einem „weichen Brett“.

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1899: Opel Lutzmann

Nur zwei Jahrzehnte später bestand 1929 der Sitz des sportlichen Opel-Roadsters 4/20 weiterhin aus einer fest fixierten Bank. Diese war aber schon deutlich tiefer positioniert und die Passagiere streckten bereits ähnlich wie heute die Beine nach vorn aus. Die mit Holzspänen gefüllten Polster fühlten sich zwar weich an, boten aber keinerlei Körperunterstützung.

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1909: Opel Doktorwagen

Die ersten Nachkriegsmodelle von Opel basierten zwar noch auf Entwicklungen aus der Zeit vor dem II. Weltkrieg – die Sitze des Opel Olympia waren 1950 aber schon an einem Metallrahmen befestigt und konnten in Längsrichtung eingestellt werden. Das war allerdings ein recht umständliches Unterfangen, um Fondpassagieren den Ein- und Ausstieg bei dem Zweitürer zu erleichtern, ließen sich die Lehnen der Vordersitze nach vorn klappen, rasteten aber nicht ein.

Die stufenlos justierbare vordere Sitzbank und die einstellbaren Rückenlehnen des viertürigen Opel Kapitän markierten 1956 einen weiteren Meilenstein. Längsverstellung der vorderen Sitzbank war selbstverständlich und eine Vorklappmöglichkeit der Vordersitzlehnen nicht nötig. Durch Ziehen eines Hebels und gleichzeitigen Druck auf die Lehne ließ sich deren Neigungswinkel mit dem „Liegesitzbeschlag“ bis hin zur waagrechten Position optimal verstellen. Ab Mai 1957 bot Opel bei der L-Variante erstmals vordere Einzelsitze an.

Der legendäre Opel GT erhielt 1968 betont sportlich konturierte Sitze mit integrierten Kopfstützen. Verlängerte Sitzkissen und eine deutlich verbesserte Schulterführung deuteten die künftige Entwicklung an. Diese führte
in den 1970er-Jahren zu separaten Kopfstützen. Zum ersten Mal stattete Opel damit optional einige Modellreihen wie etwa das Schrägheck-Coupé Monza, die großen Limousinen-Modelle Kapitän/Admiral/Diplomat oder die Rekord-Baureihen C und D aus. Beim Opel Diplomat B kamen sogar höheneinstellbare Komfort-Kopfstützen zum Einsatz, die sich nach vorn neigen ließen.

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1978: Opel Monza

Mit Hilfe eines ausziehbaren Teleskopstabes konnte 1978 im Opel Monza unter geringem Kraftaufwand der Sitz in der Höhe verstellt werden. Ab 1994 wurde Sicherheit groß geschrieben: Die Sitze des Opel Omega B waren nicht nur auf Wunsch elektrisch verstellbar – einen wichtigen Beitrag zur passiven Sicherheit leisteten zusätzlich die verstärkten Rücksitzlehnen und die Seitenairbags. Erstmals wurden aufwändige Crashtests mit Ladung durchgeführt und im Fond gab es darüber hinaus auf allen drei Plätzen Dreipunktgurte sowie Kopfstützen.

15 Jahre später gab es das begehrte AGR-Gütesiegel für den voll elektrisch einstellbaren 18-Wege-MultiContour-Fahrersitz in Vectra und Signum. Heute, wiederum fast 15 Jahre später, sind moderne Sitze im Auto für jedermann und -frau individuell justierbar – und durchaus erschwinglich.

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2003: erster AGR-Sitz (Aktion Gesunder Rücken)

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