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Die Walt Grace Gallery in Miami: Cars & Guitars


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Geld allein macht auch nicht glücklich. Zumindest nicht, wenn man dafür sich selbst und seine Ideale an die Werbeindustrie verkaufen muss. Das jedenfalls ist eine Erkenntnis, die den Amerikaner Bill Goldstein irgendwann beschlichen hat, nachdem er Million um Million scheffelte und trotzdem immer weniger Spaß am Leben hatte, weil ihm die Zeit für die Dinge fehlte, die ihm wirklich wichtig waren: Seine Familie, seine alten Gitarren und seine Oldtimer.

Deshalb brauchte es nur noch einen Song von John Mayer über einen Träumer, der etwas total Verrücktes tut, um sein Leben zu ändern. „Ich hörte das Lied morgens im Bad, kam aus der Dusche und wusste, dass heute mein neues Leben beginnt.“ erinnert sich Goldstein an den schicksalhaften Morgen vor zwei Jahren, an dem er seinen millionenschweren Job bei einer großen Werbeagentur gekündigt und seinen Traum verwirklicht hat.

Beim Protagonisten im Song war es der Bau eines U-Boots, bei Goldstein die Liebe zu Karren und Gitarren, für die in seinem Leben zuletzt immer weniger Raum war. Also hat er ihnen wieder Platz geschaffen und gleich eine ganze Galerie eingerichtet, die denselben Namen trägt wie sein Vorbild aus dem John Mayer-Song: „Walt Grace“. Die Eröffnung ist jetzt ein Jahr her und sein Show-room im angesagten Wynwood-District von Miami seitdem ein Publikumsmagnet, der im Schnitt 500 Besucher am Tag anzieht.

Wer durch die Glastüren des von außen eher schlichten Gebäudes aus den Sechzigern tritt, findet sich in einer Mischung aus Hard Rock Café und Motormuseum. Denn von den Decken und an den Wänden hängen bald hundert Gitarren und auf dem blitzblanken Boden stehen ausgefallene Sportwagen jedweder Couleur – vom Jaguar XK120 über den ewig jungen Porsche 911 und den erfrischend unkonventionellen BMW M1 bis hin zu einer seltenen Sonderserie des Fiat 500 im Renntrimm.

Zwar hat er eine Vorliebe für Porsche, weil ein 911 Targa S sein erstes Auto war. Doch sonderlich wählerisch ist er bei Marken und Modellen nicht, sagt Goldstein. Wichtig ist ihm nur, dass die Ausstellungstücke eine gewisse Relevanz haben – die Gitarren genau wie die Autos. Deshalb ist er so stolz auf die 59er-Gibson Les Paul Standard „The Burst“, die er die Stradivari unter den E-Gitarren nennt und ihr ein sechsstelliges Preisschild anheftet, genau wie auf den Flügeltürer von Mercedes, ohne den ein Sportwagen-Portfolio einfach nicht vollständig wäre.

Genau wie die Gitarren sehen die Oldtimer alle piekfein aus und sind technisch augenscheinlich gut in Schuss. „Was anderes kommt uns nicht in die Garage“, sagt Goldstein, der zwar nicht selbst restauriert, dafür aber eine einfache Regel hat: Was wir hier anbieten, muss den Weg zu uns auf eigener Achse schaffen, und den zum Kunden auch. Es sei denn, der Käufer sitzt im Ausland, was bei Walt Grace offenbar keine Ausnahme ist: „Wir kaufen und verkaufen mittlerweile um den ganzen Globus.“

Goldstein hat die Liebe zum Auto gepackt, als er mit drei Jahren seinen ersten Porsche gesehen hat. Und mit acht Jahren hat er angefangen, Gitarre zu spielen. Als Lohn für seinen Schülerjob im Musikladen durfte er alte Gitarren mit heimnehmen, die heute gesuchte Raritäten sind und zum Grundstock seiner Sammlung wurden. Mit den Autos hat es kaum länger gedauert.

Mit 18 hat Goldstein seine erste Werbeagentur gegründet, mit 20 war er ein gemachter Mann und mit 21 hat er den ersten von mittlerweile über 40 Porsche gekauft

– einen 911 Targa S aus dem Jahr 1977, erzählt der 46-Jährige, der statt des Anzugs aus Agenturzeiten jetzt ausgewaschene Jeans, schwere Stiefel und ein schlichtes T-Shirt trägt wie Bruce Springsteen beim Soundcheck für ein Stadion-Konzert.

Seit diesem ersten Porsche hat ihn die Liebe zu Cars & Guitars nicht mehr losgelassen. „Seit ich die Galerie habe, bin ich wieder ich selbst, mit dem Herzen dabei und erfüllt, von dem was ich tue“, sagt ein sichtlich glücklicher und zufriedener Selfmade-Mann. Doch ist der neue Job nicht nur Berufung, sondern auch Beruf, und ohne Arbeit geht es nicht, räumt Goldstein ein. Nachdem er gleich am ersten Tag einen Ferrari-Dino und mittlerweile über drei Dutzend weiterer Autos sowie mehr als 100 Gitarren verkauft hat, war ihm endgültig klar: „Autos und Gitarren – da ist offenbar Musik drin.“

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