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Island-Expertin Alva Gehrmann im Gespräch


«Der Banker ist manchmal auch der Busfahrer»

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Aus Schweden kennt man mindestens ABBA, aus Norwegen a-ha und die Skigebiete, aus Finnland NOKIA, Mika Häkkinen, Kimi Räikkönen und Lordi. Kommt die Rede aber auf Island, sieht es anders aus. Die Insel mit der Einwohnerzahl einer mittelgroßen deutschen Stadt mag bestenfalls für heiße Quellen bekannt sein. Zu entdecken ist aber viel mehr. Einige ihrer Entdeckungen hat Alva Gehrmann in ihrem Reisebuch «Alles ganz isi» (Deutscher Taschenbuch Verlag) beschrieben. Was den Reiz des Landes ausmacht und was der Besucher beachten sollte, verriet die Expertin im Interview mit KÜS Magazin.

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Alva Gehrmann, geboren 1973, studierte Kunstgeschichte und Betriebswirtschaftslehre und absolvierte die Berliner Journalistenschule. Heute lebt sie als freie Journalistin in Berlin und Island.

 
 Frau Gehrmann, was macht für Sie den besonderen Reiz dieses Landes aus?

Island lebt gewissermaßen von Spontaneität. Man plant nicht lange im Voraus, sondern kurzfristig, sowohl private als auch geschäftliche Termine. Daher auch meine Empfehlung an den Besucher und die Besucherin – nicht zu viel planen, sich nicht zu viel vornehmen, sondern sich ein Stück weit einfach mal treiben und überraschen lassen. Es ist auch völlig üblich, dass man zwei oder drei Jobs parallel ausübt – da arbeitet der Banker schon mal gleichzeitig als Busfahrer. Auch die Patchwork-Familie ist hier sehr weit verbreitet.


Wie erklären Sie sich die ausgeprägte Spontaneität?

Island ist ein sehr ursprüngliches Land und zu einem guten Teil den Naturgewalten einfach unterworfen. Man kann zum Beispiel zu Fuß unterwegs sein und auf mehrere Kilometer ist kein Haus und kein Spaziergänger in Sicht. Das ist dort völlig normal. Und wenn ein Unwetter mal eben hereinbricht und die Pläne für die nächsten Tage umwirft, dann kann man nicht einfach an den Plänen festhalten, sondern muss umdenken und schlichtweg abwarten.


Gibt es Verhaltensweisen, die Sie einem Touristen definitiv nicht empfehlen?

Ja. Die Isländer sind genervt, wenn deutsche Touristen sie ständig darauf ansprechen, ob sie denn wirklich an Elfen glauben (Das Gerücht hält sich hartnäckig). Deshalb sage ich zum Spaß: Man sollte nicht im Wanderoutfit in eine Bar gehen und Isländer fragen, ob sie an Elfen glauben.

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Insbesondere Autofahrer sollten die isländische Natur nicht unterschätzen. Foto: Spot Press Services/SP-X


Welche Besonderheiten müssen Autoreisende beachten?

Es passieren jedes Jahr viele Unfälle, weil Touristen die isländische Natur unterschätzen. Das Wetter kann schnell umschlagen und da muss man sich auch als Autofahrer darauf einstellen. Außerdem müssen immer wieder Flüsse durchfurtet werden, bei denen viele Autofahrer nicht wissen, an welcher Stelle sie gut zu überqueren sind und wo es zu gefährlich wird. Der Künstler Olafur Elíasson hat sogar eine Arbeit «Cars in Rivers» gemacht, in der er all die gestrandete Jeeps und Busse zeigt: www.olafureliasson.net und dies schließlich als Buch veröffentlicht: www.crymogea.is.


Stichwort Kunst: Eine weltweit bekannte Künstlerin ist Björk, als Autor lässt sich der Nobelpreisträger Halldór Laxness oder der noch recht junge Hallgrimur Helgason nennen. Kennen Sie weniger bekannte Künstler(innen), deren Werk Sie empfehlen?

Neben Björk ist Sigurd Rós bekannt, der aber gleichermaßen als recht speziell empfunden werden mag. Persönlich mag ich auch die Band Hjaltalín, die meist auf Englisch singt, aber auch einen Song auf Isländisch performt, Retro Stefson (gerade sehr angesagt) und Valgeir. Einen guten Überblick gibt die Internetseite www.icelandmusic.is.


Alva Gehrmann, vielen Dank für den Zwischenstopp.

Mit Alva Gehrmann sprach

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