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Marktbetrachtung: Große Geländewagen


Deutsch-schwedisches Restwert-Duell

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  Auch wenn es abgedroschen klingt: das Land mit einem der weltweit besten und dichtesten Fernverbindungsstraßen hört nicht auf, diese mit überwiegend geländegängigen SUV zu befahren. Was ist die Faszination dieses Marktsegments? Dies liegt wahrscheinlich am Umstand, dass Geländewagen „the-best-of-both-worlds“ repräsentieren. Sie verbinden die Geräumigkeit eines Vans mit der Freizeitorientierung eines Kombis. Geländewagen haben dabei ein deutlich trendigeres Image und die beim Van so oft gepriesene Übersichtlichkeit durch die erhöhte Sitzposition ist ebenfalls vorhanden. Die Neuzulassungen der SUV und Geländewagen haben Hochkonjunktur.

So wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt in den ersten elf Monaten 2016 knapp 388.900 SUV und mehr als 266.000 Geländewagen in Deutschland neu zugelassen. Dies entspricht einem Plus von fast 25 Prozent beziehungsweise 11 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum. Bei den Neuzulassungen der großen Geländewagen haben der Mercedes GLE (14.072 Einheiten), der Audi Q7 (10.889 Einheiten) und der BMW X5 (8.636 Einheiten) die Nase vorn.

 

 

 

 

 

Wie sich die großen Geländewagen in Sachen Wertstabilität verhalten, hat die Bähr & Fess Forecasts GmbH näher untersucht (siehe auch Tabelle). Die Restwertschere klafft bei den ausgewählten Allradlern um mehr als 13 Prozentpunkte auseinander. Hier gibt es durchaus signifikante Unterschiede. Lediglich drei Modelle glänzen mit Restwerten von mehr als der Hälfte ihres ehemaligen Neupreises. Die Wertstabilitäts-Hitliste führt der Ingolstädter Q7 3,0 TDI quattro mit 218 PS an. Mit einem prognostizierten Restwert von 54,5 Prozent in vier Jahren ist der Audi Klassenbester und um drei Prozentpunkte besser als der Zweitplazierte von Volvo. Dem Schweden-Dickschiff XC90, unter dessen Motorhaube ein 235 PS-Diesel werkelt, attestieren die Prognostiker nach diesem Zeitraum einen Restwert von 51,5 Prozent. Den Bronzeplatz sichert sich der BMW X5 xDrive 30d. Dem Münchner mit seinem 258 PS starken Dieselaggregat bescheinigen die Saarländer in vier Jahren noch einen Restwert von 50 Prozent. Im Mittelfeld mit Restwerten von 48 bis 49 Prozent rangieren der Mercedes GLE 250d und der Porsche Cayenne 3,0 TDI mit einem prognostizierten Restwert von jeweils 49 Prozent sowie der Newcomer von Jaguar F-Pace (48 Prozent). „Jaguar wurde durch die indischen Eigentümer von einem Problemkind zu einem Vorzeigeimporteur. Um noch mehr zu wachsen, reichen Erfolgsmodelle wie der XF nicht aus, das ist verständlich. Puristen jedoch werden nicht gerade auf einen Jaguar-SUV gewartet haben, aber es ist absehbar, dass auch diese Modellversion der Engländer eine nicht unerfolgreiche werden dürfte. Trotzdem sollte auf die Marken-DNA mehr Rücksicht genommen werden, denn diese trägt vor allem den Erfolg der Marke“, so Dieter Fess Mitinhaber der Bähr & Fess Forecasts mit Sitz in Völklingen.

Restwert-Prognosen nach 4 Jahren

Mit Restwerten von 42 bis unter 45 Prozent rangieren der Ford Edge 2,0 TDCI (44,5 Prozent), der Kia Sorento 2,2 CRDI (43 Prozent) und der Range Rover 3,0 TDV6 (42,5 Prozent) im unteren Mittelfeld der Stabilitätsliste. „Wer sich gerade mit dem Gedanken trägt eine Eigentumswohnung zu kaufen, der könnte durchaus auch die Anschaffung des Topmodells der Range Rover Baureihe in Erwägung ziehen. In seiner Urform wurde er zur Blaupause für elegante und gleichzeitig geländegängige Fahrzeuge – Jahrzehnte bevor der Rest der Welt solche Automobile ‚SUV‘ nannte. Der große Range ist ein treuer Begleiter von gekrönten und ungekrönten Häuptern dieser Welt und ist in seiner Eleganz und den verwendeten Materialien noch immer unerreicht. Leider ist der Werterhalt nicht einmal annähernd der einer Eigentumswohnung ähnlich“, so Dieter Fess. Bei einem Neupreis von fast 107.000 Euro muss der Range Rover Pilot einen Wertverlust von mehr als 61.400 Euro in vier Jahren hinnehmen.

Am unteren Ende der Skala rangieren der Hyundai Grand Santa FE 2,2 CRDI und der Jeep Grand Cherokee 3,0 Multijet mit Restwerten von
lediglich 41,5 beziehungsweise 41 Prozent. „Wer einem individuellen gestylten Geländewagen sucht, der obendrein ‚die Mutter aller Geländewagen‘ – oder zumindest eine dieser Mütter – repräsentiert, der wird schnell bei einem Land Rover Produkt oder einem Jeep fündig. Anders als die oftmals glattgebürsteten SUV vermittelt der Grand Cherokee auch noch optisch, dass er was drauf hat, wenn es ins Gelände gehen sollte. Gleichwohl ist er in der Spitzenausstattung mit Leder, Navi und Assistenzsystemen vielleicht nicht gerade Avantgarde, aber durchaus luxuriös und technisch gut ausgestattet. Das schönste jedoch ist sein Preis: es gilt die alte Restwertregel: Was man von vornherein nicht bezahlt hat, das kann man auch später nicht verlieren“, so Dieter Fess.

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