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Mini-Bond: Exotisches Dreirad


Sein Name ist Bond. Mini Bond.

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Führerschein-Beschränkungen und Kfz-Steuern haben schon immer die Fahrzeug-Entwickler zu besonderer Kreativität angespornt. Ein Paradebeispiel kommt aus dem Großbritannien der frühen Nachkriegszeit. Auf den ersten Blick ein ganz normales Cabriolet, nicht besonders hübsch, aber das ist Geschmackssache. Auffällig sind die vergleichsweise große Motorhaube und die fehlenden Radkästen. Seine Name ist Bond. Mini Bond. Oder korrekter: Bond Mini Car. Benannt nach seinem Konstrukteur Lawrence Bond. Ab 1949 wurde dieser Exot von der Sharp's Commercials Limited in Preston im Nordwesten England gebaut – bis 1966 in sieben Modellreihen.

Foto: Gregor Mausolf

Nette Engländer in einem witzigen Auto: Mike und Renate Hele im Bond Mini Car.

Mike Hele aus Waterlooville in der englischen Grafschaft Hampshire besitzt gleich drei der Bond Mini Car: das Modell B von 1951, das Modell C von 1953 und ein Modell D, Baujahr 1957. Mit letzterem waren der 65-Jährige und seine Frau Renate in diesem Sommer gleich mehrfach unterwegs. Erst in Deutschland, dann in Frankreich und am Gardasee.

Das Öffnen der Motorhaube bestätigt, was die fehlenden Radkästen schon vermuten ließen. Darunter befindet sich nämlich ein zartes Villiers-Motörchen, das hinter dem Vorderrad angeordnet ist. Jawohl, dem Vorderrad, denn der Mini Bond ist ein Dreirad. „Wir haben den späteren Typ mit 250-ccm-Motor mit 11 PS Leistung, 12 Volt mit Elektrostarter sowie ein Viergang-Getriebe“, erklärt uns Mike Hele. „Das ursprüngliche Modell D hatte 197 ccm mit etwa 9 PS, ein Dreigang-Getriebe und nur 6 Volt mit Kickstarter.“ Die Höchstgeschwindigkeit von Heles Einzylinder-Zweitakter liegt bei beachtlichen 95 km/h, der Verbrauch des 1:25-Gemisches bei 6,7 Litern auf 100 Kilometern – und das bei einem dank Alu-Karosserie geringen Leergewicht von 236 kg.

Foto: Gregor Mausolf

So aufgeräumt kann ein großer Motorraum sein, wenn sich unter der Haube nur ein 250-ccm-Motor verbirgt.

Und wie fährt man so einen Mini-Bond? Geschaltet wird am Lenkrad. „Die Gänge müssen sorgsam einlegt werden und anschließend muss man die Kupplung langsam kommen lassen“, beschreibt Mike Hele. Einen Rückwärtsgang sucht man bei den frühen Bond vergebens, denn Motor und Getriebe stammen aus dem Motorradbau. Doch das Vorderrad lässt sich bis zu 90 Grad einschlagen. Damit ist ein Wenden um eines der nur 8 Zoll großen Hinterräder möglich. „Es ist ein Riesenspaß, wenn man im Stau zum Erstaunen der anderen Autofahrer auf der Stelle eine Pirouette drehen kann,“ freut sich der 65-Jährige.

Die Beschleunigungswerte seines Gefährts kennt der Brite nicht. Aber ein Verkehrshindernis sei er sicher nicht. Er war auf vielen Straßen Europas unterwegs, selbst auf den Pässen der Dolomiten. „Du kannst keinen Bond schlagen“, war der Slogan der Prestoner Autobauer. Was Mike Hele bestätigt: „Wir haben noch keine Steigung auf normalen Straßen gefunden, die unser Bond nicht erklommen hat.“

Wo immer Hele mit seinem Bond einparkt, bildet sich eine Traube von Menschen, die Fotos machen. Selbstverständlich ist er Mitglied im Bond Owners Club, der rund 280 Mitglieder in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Südafrika, Kanada, USA, Australien, Neuseeland und sogar Japan hat.

www.bondownersclub.co.uk

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