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Rallye-WM der Zukunft?


Experiment: Toyota mit Brennstoffzellen-Mirai als „Nuller“ unterwegs

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Seit Wilhelm Busch wissen wir: „Musik wird störend oft empfunden, derweil sie mit Geräusch verbunden.“ Was für Musik gilt, das trifft mitunter auch für den Motorsport zu: Wer nicht gerade ein offenes Herz für den Motorsport und seine akustischen Begleitszenarien hat, der mag so manches hoch drehende Fahrzeug mit seinen zahlreichen Fehlzündungen bei der ADAC Rallye Deutschland im August dieses Jahres nicht gerade begeistert aufgenommen haben.

 

Rallye Deutschland Toyota Mirai 01Doch es geht auch ganz anders, wie wir am Rande einer Wertungsprüfung (WP) an der Mosel selbst erfahren konnten. Fast waren wir schon ein wenig erschrocken, als der Toyota Mirai plötzlich als sogenannter „Nuller“ (Vorausfahrzeug) auftauchte, damit der Co-Pilot sich seine Karte stempeln lassen konnte. Der Hintergrund war der Antrieb des Fahrzeugs: Die Japaner hatten beim deutschen Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft in diesem Jahr zum ersten Mal ein Fahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb eingesetzt. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit sollte das Potenzial und die Zuverlässigkeit dieser umweltschonenden Technik demonstriert werden.

Die Besatzung in Form des erfahrenen japanischen Rallyepiloten Mistuhiro Kunisawa und seines Co., Yoshikazu Tanaka, des Chefingenieurs des Mirai, sprach ein vorzügliches Englisch, sodass wir uns etwas über das Projekt unterhalten konnten. Natürlich, sagte der Pilot, „sind wir noch ein absoluter Exot bei solchen Gelegenheiten und fahren auch bei den Vorausfahrzeugen außer Konkurrenz mit. Aber wir möchten zeigen, was in Zukunft machbar sein wird.“ Den Wert der Veranstaltung als Werbebühne für die alternative Technik wussten beide sehr wohl zu schätzen.

In Japan ist der Mirai bereits seit Dezember 2014 auf dem Markt. Noch gegen Ende dieses Jahres soll er in Amerika, in Großbritannien, Dänemark und Deutschland auf dem Markt sein.

Bei dem rund um Trier eingesetzten Rallyeboliden handelte es sich um das Privatfahrzeug des Piloten, das gegenüber dem Serienmodell modifiziert worden ist. Spezielle Bremsbeläge, Rennbereifung und ein Überrollkäfig waren für den Rallye-Einsatz vonnöten. Die Antriebsleistung, die den Umwelt-Toyota in 9,6 Sekunden von Null auf 100 km/h beschleunigt, blieb indes bei 154 PS unverändert.

Rallye Deutschland Toyota Mirai 02Ermöglicht wurde das Vorgehen durch eine mobile Betankungseinheit. Ein 14 Meter langer Lkw mit Sattelauflieger wurde dazu im Fahrerlager stationiert. Diese „Tankstelle“ hatte bis zu 240 Kilogramm Wasserstoff an Bord. Ein Vorrat, mit dem der Mirai nach Herstellerangaben eine Strecke von etwa 25.000 Kilometern hätte zurück legen können. Zweimal täglich wurde das Fahrzeug dort betankt. Ein solcher Tankvorgang, so der japanische Chefingenieur, könne „im Idealfall innerhalb von drei Minuten erledigt sein“.

„Wir träumen davon, dass unsere Brennstoffzellen-Fahrzeuge ganz selbstverständlich in der Rallye-Weltmeisterschaft mitfahren können. Wir werden diese Technik auch weiter mit großem Elan weiterentwickeln“, warf Yoshikazu Tanaka einen Blick in die Zukunft. Er sei während der WM-Tage oft von Besuchern auf Fahrzeug und Technik angesprochen worden. Die fast geräuschlose Premiere sei für die Zuschauer natürlich bei einer Rallye noch gewöhnungsbedürftig: Dafür jedoch, meinte Tanaka, „erleben diese die Technik einer nahezu schadstofffreien Zukunft.“

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