Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V.

IAA: Ein Rückblick auf 1977


„Reisschüsseln“ und Kaviar

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IAA – Klingt wie der Ruf eines Esels. Diese drei Buchstaben werden ehrfürchtig hingehaucht sowohl von Auto-Herstellern, Zulieferern und Motorjournalisten als auch von Besuchern. Alle zwei Jahre trifft sich in Frankfurt die autobegeisterte Nation und drückt sich an den neuen Autos die Nasen platt. Wen wundert es, dass ich – wo ich doch sowieso total auto-verrückt war – alles daran gesetzt habe, hier einmal dabei zu sein… Im Herbst 1977 war es dann so weit.

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Meine Zähne sind in Ordnung, obwohl ich manchmal, wenn ich etwas wirklich will, mich wie ein Terrier festbeiße.

Genau das habe ich getan, als ich mich 1976 auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber machte. Es sollte etwas sein, was mit Autos und mit Journalismus zu tun hatte. Meine Wahl fiel auf Toyota. Erster Versuch: gescheitert. Doch davon lasse ich mich nicht wirklich aufhalten. Ich saß damals im Präsidium des DMV (Deutscher Motorsport Verband) und war zuständig für die monatlich erscheinenden DMV-Nachrichten.

Die DMV-Clubs lieferten die meisten Artikel, die ich redaktionell aufbereitet habe. Aber das Titel-Thema konnte ich mir selbst aussuchen. Da wundert es nicht, dass ich im Juni 1976 ein Toyota-Thema gewählt habe. Ich hatte einen Mönchengladbacher Toyota-Händler überredet, zwei Starlets für ein Geschicklichkeitsturnier bereitzustellen. Schwups hatte ich meine erste Toyota-Geschichte, die ich an den damaligen Pressechef Adolf Hüngsberg schickte. Er zeigte sich zumindest interessiert. Der Nachschlag kam einen Monat später: Aufmacher-Geschichte diesmal: ein Porträt über Klaus Fritzinger, Toyota-Werksfahrer, -Händler und früherer Fußballspieler beim 1. FC Kaiserslautern. Wieder an Adolf Hüngsberg geschickt, schon kam die Aufforderung zum Vorstellungsgespräch. Und diesmal hat es geklappt: Ich hatte den Job!

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine allererste IAA 1977. Die japanischen Autobauer waren den deutschen Autoherstellern ein Dorn im Auge. Die ganzen „Reisschüsseln“ kamen in eine separate Halle. Genau deshalb mussten wir etwas Ungewöhnliches tun, um Aufmerksamkeit zu erreichen. Also kümmerten wir uns vor allem um die Menschen, die in Zeitungen, Zeitschriften, Film, Funk und Fernsehen kundgetan hatten, dass es „uns“ überhaupt gibt.

Toyota war am Abend des ersten Pressetages nicht zimperlich mit Journalisten-Einladungen. Es hatte ein ganzes Lokal in Frankfurt auf der Bockenheimer Landstraße gemietet. Es gab Champagner und Kaviar bis zum Abwinken. Zugegeben, nicht ganz preiswert, aber es erfüllte seinen Zweck: Aufmerksamkeit.

Aufmerksamkeit erregte Toyota auch mit dem Geschenk an die Besucher der IAA: Der damalige Vertriebsleiter von Toyota Deutschland, Volker Schüssler, erinnert sich: „Das war der Hammer.“
Wir haben Knackfrösche verschenkt. Eigentlich relativ preiswert.

Überall und unentwegt machte es „Knack“ und das ging so manchen anderen Herstellern mächtig auf den Keks.

Hauptsache: Man kannte uns. Und es machte neugierig auf die Toyota-Modelle, damals Celica Liftback (Foto), Carina und irgendeiner aus der damals schon höchst erfolgreichen Corolla-Serie.

Am Presseabend lernte ich Alfred Noell kennen. Auf dieser 47sten IAA überreichte der Geschäftsführer der Deutschen Verkehrswacht, Dr. Günter Wind, einen Fernsehpreis für Noells Trickfilmserie „Daniel passt auf“. Genau dieser Dr. Wind hat später den „7. Sinn“ im Ersten Programm auf die Schiene gesetzt. Den „7. Sinn“ gibt es zwar seit 1966, allerdings nur im WDR-Regionalprogramm. Dr. Winds Argumente waren einfach, aber wirkungsvoll: „Im letzten Jahr hatten wir 18.000 Verkehrstote.“

Übrigens: Diese Journalisten-Einladung mit Champagner und Kaviar wurde nicht wiederholt. Nachdem sich das herumgesprochen hatte, war der Andrang dann doch zu groß – im Gegensatz zum damaligen Budget.

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