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Straßburg: Mit dem Hausboot im Herzen des Elsass


Liegeplätze sind Mangelware in der geschichtsträchtigen Hauptstadt des Elsass

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Vier Millionen Menschen besuchen pro Jahr die größte und geschichtsträchtigste Stadt des Elsass, um sich in der Altstadt rund um das weltberühmte Münster zu drängen. Ein paar tausend Besucher kommen mit den Kreuzfahrtschiffen auf dem Rhein, aber nicht einmal das städtische Touristenbüro weiß so richtig, dass man sich auch in ganz kleiner Gruppe auf dem Wasserweg der Stadt nähern kann: Der Rhein-Marne-Kanal macht’s von Nordwesten her möglich, von Süden erreicht ein Ende des historischen Rhein-Rhône-Kanals die Straßburger Hafenbecken.

hausboot

Die Stadt hat in den vergangenen Jahren vieles gut organisiert, etwa ein Schienennetz für moderne Trambahnen gebaut, um der Autoflut ein wenig Herr zu werden. Aber einen ordentlichen Sportboothafen haben sie schlicht vergessen – einzig möglicher Anlegeplatz ist ein schwimmender Schrottplatz in privater Hand. Dort blockieren viele zerbrochene Träume die im Prinzip ausreichenden Liegeplätze, ältere Schiffe, die jemand hoffnungsfroh ausbauen wollte, dem Geld oder Kraft ausgegangen sind, und die nun vor sich hingammeln. Eine moderne Marina sieht anders aus.

Ehe man diesen Nothafen erreicht, hat man sein Schiff am mächtigen Bau des europäischen Parlaments vorbeigesteuert. Dieses Gebäude und das weltberühmte Münster sind nicht die einzigen Sehenswürdigkeiten der Stadt – die Altstadt ist voll von Zeugnissen einer großen Geschichte im Grenzland zwischen Frankreich und Deutschland, während eines eintägigen Besuchs keineswegs auch nur annähernd anzuschauen. Wir beschränken uns hier auf drei, die ein wenig abseits gelegen sind vom großen Rummel rund um den Münsterplatz, wo sich außer der Hauptpost auch das Tourismusbüro befindet.

strassburg

Zwei Straßen weiter steht das Haus, in dem Goethe während seines Studienaufenthalts in Straßburg gewohnt hat. Ein Auto oder eine Tram hat er damals nicht gebraucht in der überschaubaren Kernstadt auf einer Insel, die vom Flüsschen Ill und einem davon abgezweigten Wassergraben umschlossen wird. Sehenswert: der Rabenhof (heute Hotel Cour de Corbeau), in dem Preußenkönig Friedrich der Große einst inkognito abstieg. Von 1528 bis 1854 war der malerische Fachwerkbau eine der ersten Adressen, zumal die Postkutschen mitten durch den Hof des Hauses fuhren und dort anhielten. Die Eisenbahn machte den Pferdekutschen und damit auch dem Rabenhof den Garaus, ehe er vor einigen Jahren in alter Pracht renoviert und zum Vier-Sterne-Hotel ausgebaut wurde.

Alle streben zum Straßburger Münster und übersehen dabei leicht die evangelische Thomas-Kirche. Hier haben Wolfgang Amadeus Mozart und Albert Schweitzer die Silbermann-Orgel gespielt und befindet sich im Kirchenraum ein pompöses Mausoleum für Moritz von Sachsen, einem unehelichen Sohn August des Starken und Urgroßvater der französischen Schriftstellerin George Sand. Der unbesiegte Maréchal de Saxe durfte als Protestant nicht im katholischen Paris bestattet werden – sein bewegtes Leben ist eine Geschichte für sich.

Viele Charterbootfirmen haben sich am Rhein-Marne-Kanal niedergelassen – eine der preisgünstigsten heißt Les Canalous.

Von der Basis Waltenheim ist es nur eine Tagesreise mit acht automatisierten Schleusen bis Straßburg.

Der Kanal führt über weite Strecken durch ein Waldgebiet, eine selbsttätig öffnende Drehbrücke sorgt unterwegs für einen Hauch von Abenteuer. Die führerscheinfreien Boote entsprechen dem üblichen Standard, so auch die Tarpon 37 N, in der vier Erwachsene und zwei Kinder gut Platz finden, wenn man den Salon nicht abends zum Schlafraum umbauen möchte.
www.canalous-plaisance.fr.

Weitere Infos

www.cour-corbeau.com
www.otstrasbourg.fr/de
www.tourismus-elsass.com

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