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Technik mit Geschichte: Die Sammlung Hochhut in Frankfurt/Main


Als die Motoren laufen lernten

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Im Duden steht zum Begriff „Museum“: „…eine der Öffentlichkeit zugängliche Sammlung von Altertümern und Kunstwerken…“. Überträgt man diese Definition auf die Stiftung Technische Sammlung Hochhut im Frankfurter Stadtbezirk Gallus, sieht man sich unversehens an der richtigen Adresse. Hier hat der Selfmademan Fritz Hochhut (1921-2001), ein Technik-begeisterter Unternehmer, eine beachtliche Kollektion motorbetriebener Exponate zusammengetragen, die ihresgleichen sucht.

hochmut-frankfurtHochhut hat nicht nach den Spielregeln eines klassischen Museums (Entwicklung von Reihen, Jahrgangsmodelle, hausinterne Typen und Prototypen etc.) seine Pretiosen aneinandergereiht, sondern sich Modellen ausgesuchter Rarität und Technik gewidmet. Gleich, ob mit Dampf betrieben oder als Verbrennungsmotor. Die Exponate sind teilweise einmalig und erlauben einen tiefen Blick in Entwicklung, Versuch und Praxis. Kurator Jürgen Stahlheber erklärt, mit einer handvoll versierter Mitarbeiter, den Besuchern subtile Technik ebenso geduldig wie skurrile Begebenheiten.

hochmut-frankfurt2Eine Werkstatt ist angeschlossen, in der marode Teile wieder gerichtet und aufgebaut werden. Der etwas kleinere Showroom ist fast ausschließlich den Zwei-, Drei- und Vierradmobilen gewidmet und wird auch für Feiern und Seminare genutzt. Jede Sammlung hat natürlich ihre Highlights. So auch hier. Im Großmaschinenraum zieht ein Riesenteil in weiß die Blicke auf sich: ein russischer Schnellbootmotor aus Leichtmetall mit 42(!) Zylindern und 4.200 PS. Kompakt und vor Kraft strotzend: zwei Tonnen der Motor, zwei Tonnen das Wendegetriebe. Genau das Gegenteil davon in anderer Ecke: Der erste Reihen-Zweizylinder Benziner von Maybach mit nur einer knappen Hand voll PS.

hochmut-frankfurt3hochmut5Hochhuts Motto lautet noch heute: „Motoren müssen laufen“. Schwer vorzustellen, wenn sich da ein Maschinenpark zeigt, der bereits bis zu 130 Jahre alt ist. Ein Daimler Reitwagen als Replica aus dem Jahr 1886 zieht ebenso die Blicke wegen seines kompakt-filigranen Holzrahmens auf sich, wie wenige Meter weiter eine Imme, ein zweizylindriges Motorrad aus Immenstadt im Allgäu mit liegendem, luftgekühltem Motor (der Panzern als Startmotor diente!), 175 ccm Hubraum und Einarmschwinge für vorne und hinten. Dieses Radaufhängungsprinzip, das 1954 auf den Markt kam, war jedoch viel zu modern, um zu einem Verkaufshit zu werden. Erst Jahrzehnte später kamen z. B. BMW, Ducati und Bimota auf die gleiche Idee. Der Bergmann, 1898 im badischen Gaggenau gebaut, ist heute das zweitälteste Motorvehikel mit aktueller Straßenzulassung. Eine dänische Nimbus aus den Zwanzigerjahren verkörpert überzeugend das System eines 4-Zylinder-Reihenmotors mit Kraft und ordentlich Drehmoment. Citroëns C4 CV Torpedo sticht ins Auge: quietschgelb und mit spitz zulaufendem „Bürzel“. Damit begann das französische Automobilwerk, einen Schritt in Richtung Massenmotorisierung zu starten. Spitzname: „Petit Citron“ (kleine Zitrone), schick, leutselig und mit überraschenden Details ausgestattet.

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Ein ganz spezielles Damen-Fahrrad fällt auf: mit einem großen Stützrad auf der linken Seite, während die beiden rechten Räder über einen handlichen Griff zentral und synchron lenkbar waren. Dass auch engagierte Sammler wie Fritz Hochhut kleine private Liebhabereien haben, zeigt seine separate und umfangreiche Sammlung kleiner Dampfmaschinenmodelle in allen Varianten, die bis ins letzte Detail exakt nachgebaut wurden.

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Die Epochen vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis weit über die Jahrtausendwende hinaus werden wieder lebendig, das Spektrum der Exponate ist sehr vielfältig. Ein Besuch nach vorheriger Anmeldung ist nicht nur für angehende Maschinenbau-Ingenieure lehrreich, sondern auch für den interessierten und ambitionierten Laien.

Zudem ist der Eintritt kostenlos.
Welch eine Chance!

www.technische-sammlung-hochhut.de

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