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Truck Trial


Motorsport für schwere Jungs mit ganz feinen Fingern

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Motorsport kann man mit verschiedenen mobilen Gerätschaften ausüben: auf zwei Rädern, auf vier Rädern, notfalls auch ganz ohne Räder in der Luft oder auf dem Wasser. Man kann sich aber auch ganz extreme Arten des Wettbewerbs in diesem Genre aussuchen. So wie das Europas beste Dompteure der Schwerkraft angehen.

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Sechsmal im Jahr in halb Europa, einmal davon in der Eifel, treffen sie sich zur Truck-Europameisterschaft. Dann gehen die schweren Jungs mit ihren 40-Tonnern (manchmal auch mehr) aber nicht etwa auf die Rundstrecke, sondern ins tiefe Gelände. Auf steilste Abhänge und in tiefsten Matsch. Willkommen bei der Truck-Trial-EM.

Normalerweise wird in dem alten weitläufigen Gelände in der nördlichen Eifel Lavagestein abgebaut und in alle Welt exportiert. Doch einmal im Juni, wenn die Organisatoren des Europa-Trucktrials zum „Tanz auf groben Stollen“ bitten, ist alles ganz anders in Brück-Dreis. Dort, im Heimatort des Bestseller-Autors Jacques Berndorf (bekannt durch seine Eifelkrimis), geben dann für zwei Tage mächtige Giganten des Transportgewerbes den Ton an.

Dann wird der deutsche Lauf zur Truck Trial-EM, eine Art Geschicklichkeitsfahren für Lastwagen und Baustofffahrzeuge, ausgetragen. Und in der ansonsten eher stillen hügeligen Landschaft zwischen Rhein und Ardennen wird es dann auf einmal richtig laut und manchmal auch gefährlich. Wenn tonnenschwere Fahrzeuge über einen Parcours manövriert werden müssen, der aus rutschigen Steigungen mit halsbrecherischen Gefällstrecken und Schräglagen besteht, dann sind die Experten in den Führerhäusern gefragt.

Die Kabinen sind wie im Rundstrecken- oder Rallyesport mit Käfigen aus Gitterrohrrahmen ausgestattet, Helm tragen ist für Fahrer und Beifahrer, der (oder die) den Mann am Steuer zentimetergenau einweist, Pflicht. Nur der HANS (Head and Neck Support) fehlt. Gemessen wird, wie sich die Stahlkolosse auf den mächtigen Walzen durch tiefe Wassergräben vorwärts schuften, wie sie enge, winklige Passagen nehmen ohne dabei Markierungen zu berühren oder gar zu überfahren.

Auf die Zeit kommt es nicht an, eher auf das Fingerspitzengefühl der Besatzung

Gut 40 Teams aus mehreren Ländern mit Lkw der unterschiedlichsten Hersteller sind am Start. Zu den Ausnahmekönnern gehören „alte Hasen“ genauso wie junge Lenkrad-Artisten. Gewertet wird in sogenannten Sektionen und Kategorien (Zwei-, Drei-, Vierachser und Prototypen). Franzosen, Tschechen, Deutsche und Österreicher machen in der Regel die Plätze auf dem Siegerpodest unter sich aus.

truck-trial-eifel-2016Der Tscheche Jan Borzym wurde im vergangenen Jahr Europameister bei den Dreiachsern und erzählt: „Unser Sport ist schon sehr spektakulär. Da stürzt auch schon mal einer der Teilnehmer an einer Kante ab oder rutscht in den tiefen Wassergraben, sodass er mit der Winde geborgen werden muss. Aber trotz der Überschläge ist noch nie jemand ernsthaft zu Schaden gekommen.“ Außerdem, so sagt er, seien die Teams wie eine große Familie, innerhalb derer jeder jedem hilft, wenn es irgendwo Probleme gibt.

Höhepunkt der Truck Trial Europameisterschaft ist in jedem Jahr der Saisonbeginn im französischen Montalieu-Vercieu in der Nähe von Grenoble. „Dort kommen vor einer grandiosen Alpenkulisse bis zu 15.000 Zuschauer und am Abend vor dem Wettkampf ziehen wir in einem riesigen Korso durch den Ort. Da bekommt man Gänsehaut.“

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