Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V.

Unfallursache: Blindflug


Immer mehr Unfälle passieren, weil Fahrer sich vom Handy ablenken lassen.

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Telefonieren am Steuer ohne Freisprechanlage ist genauso gefährlich wie 0,8 Promille Alkohol im Blut. Wer eine SMS schreibt, reagiert wie ein Fahrer mit 1,1 Promille. Das hat eine Untersuchung des Kölner Innenministeriums und des ADAC ergeben. Allein in Köln sei die Zahl der Unfälle ohne erkennbaren Grund von 2008 bis 2014 um 38 Prozent gestiegen.

Während die Ursache von solchen Unfallbildern früher das Radio oder eine Ablenkung durch den Beifahrer gewesen sind, ist es heute die Nutzung von Smartphones. Allem voran: WhatsApp checken, Instagram Videos hochladen oder einen Facebook Status kommentieren. Lebensgefährlich: Ein zwei Sekunden langer Blick auf das Handy bedeutet, dass bei einem Tempo von 50 km/h eine Strecke von 30 Metern im Blindflug zurückgelegt wird.

In der Schweiz gibt es laut Automobilverband TCS bereits konkrete Zahlen zu den Ablenkungsunfällen. So soll jeder vierte Unfall auf das Konto von Unaufmerksamkeit und Ablenkung am Steuer gehen. Eine Umfrage, die die Allianz-Versicherung bereits 2011 u. a. in der Schweiz durchführte zeigt, dass rund 40% der Autofahrer während der Fahrt telefonierten, 30% SMS oder E-Mails auf dem Smartphone oder dem Tablet schrieben oder lasen und 50% erst während der Fahrt ihr Ziel im Navi einstellten. Das Problem: Wer sich ablenken lässt, bringt sich und andere in Gefahr.

Die Unfallforschung der Versicherer vermutet eine hohe Dunkelziffer an solchen Ablenkungscrashs. Was sich viele nicht bewusst sind:

Schon jetzt kostet das Benutzen des Handys einen Punkt in Flensburg.

Kommt es nachweislich zum Unfall kann daraus schnell eine fahrlässige Körperverletzung werden.

Vor allem aber sollten Smartphones sicherer in das Autocockpit integriert werden. So ist zum Beispiel die Ablenkung durch die Eingabe in Navigationssysteme auch noch gefährlich, aber bei weitem nicht so hoch wie durch das Lesen und Texten von Smartphone-Text-Nachrichten. Bis das automatisierte Fahren dieses Problem lösen könnte, werden noch Jahrzehnte vergehen. Und so hat die hochtechnische Kommunikationsgesellschaft nicht nur Verkehrssicherheit gebracht, sondern auch ein neues Risiko: Die Ablenkungsgefahr während
der Fahrt. Deshalb muss an der Schnittstelle Mensch und Maschine dringend gearbeitet werden.

Wieso ist Ablenkung am Steuer so gefährlich?

– Weil mit der Unaufmerksamkeit die Reaktionszeit massiv verlängert wird. So nimmt sie etwa beim Telefonieren oder beim Schreiben einer SMS mit dem Handy um 30 bis 50 % zu.

– Bei 100 Stundenkilometern entspricht eine Sekunde Unaufmerksamkeit beinahe 28 Meter. Bremst das vor uns fahrende Auto brüsk und wir sind zerstreut, ist der Auffahrunfall fast unvermeidlich, vor allem bei ungenügendem Abstand!

– Die Reaktionszeit beim Telefonieren am Steuer (selbst mit einer Freisprechanlage) entspricht der verlängerten Reaktionszeit bei einem Blutalkoholpegel von 0,8 Promille.

Die häufigsten Gründe für die eigene Ablenkung des Fahrers:

– Telefonieren mit und ohne Freisprechanlage
– SMS und E-Mail schreiben und lesen
– Radio, Navigationsgerät und andere Geräte einstellen
– Essen und Trinken
– Rauchen
– Sich schminken
– Seine Jacke oder Pullover ausziehen
– innere Ablenkung (Gedanken, Gefühle, Stress, etc.)

Die häufigsten Gründe für Fahrerablenkung von aussen:

– Navigationsgerät, Musik
– Mitfahrer
– Haustiere, herumfliegende Insekten
– Objekte und Ereignisse außerhalb des Wagens

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