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Windräder: SMS stoppt Schattenwurf


Windkraftanlagenbetreiber erhöhen Ertrag durch clevere Idee

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Sonnenschein und gleichzeitig Wind sind eigentlich eine gute Sache. So kann parallel regenerativ viel Strom erzeugt werden: Mit Fotovoltaikanlagen und Windrädern. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten, sagt der Volksmund, und das ist in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen. Denn die Spitzen der Rotoren drehen sich in über 200 Metern Höhe und können bei niedrigem Sonnenstand noch zwei Kilometer entfernt Schatten werfen. Das kann ganz schön nerven, wenn alle paar Sekunden ein Schatten über die Terrasse streicht.

Entsprechend haben die Gesetzgeber in vielen Bundesländern durch Windenergieerlasse geregelt, wie oft und wie lange eine Beschattung durch den Propeller zu tolerieren ist. Einige Kreise gehen noch weiter und erwarten eine Null-Schatten-Erklärung: Sobald die Rotoren auf irgendeinem Grundstück im Umkreis Schatten werfen, müssen sie gestoppt werden. Doch nur eine Windkraftanlage, die sich dreht, liefert Strom – und damit auch einen Ertrag für die Betreiber. „150 Euro Verdienstausfall kommen da bei einer einstündigen Pause schnell zusammen“, rechnet Josef Kleimann vor. Der Steinfurter Landwirt ist Geschäftsführer der Windkraft Dumte GmbH & Co. KG, die mit 54 Teilhabern zwei Windräder betreibt.

Foto: Gregor Mausolf

Josef Kleimann: Eine kurze SMS genügt, und die Rotorblätter bewegen sich in die Fahnenstellung, wodurch sie dem Wind keine Angriffsfläche mehr bieten. Das Windrad stoppt.

Kleimann kennt sich mit Windkraftanlagen bestens aus, hat vor Jahren seine Diplomarbeit darüber geschrieben. So ersannen die Steinfurter eine Lösung, die bislang wohl einmalig sein dürfte. Statt starrer Stillstandzeiten können die Nachbarn den Quirl einfach per SMS abschalten. Denn warum soll ein Windrad stehen, wenn auf der Terrasse eh kein Mensch sitzt, weil die Bewohner arbeiten müssen?

Der Windanlagenhersteller war anfangs zurückhaltend, als der Landwirt seine Idee vortrug. Aber jede Anlage hat einen Stopp-Schalter, der die Propellerblätter in eine sogenannte Fahnenstellung bringt. Genau hier setzt Kleimann an. Er umgeht diesen Schalter und verzichtet gleichzeitig auf eine fest programmierte Schattenschaltung. Die gesamte SMS-Steuerung ist in Eigeninitiative – losgelöst vom Anlagenbauer – entstanden.
Herzstück der Eigenentwicklung ist ein GSM-Scout mit einer SIM-Karte – so wie sie sich in jedem Handy befindet. An ihn wird eine SMS mit einem speziellen Code geschickt. Enthalten ist die Kennung eines der beiden Windräder sowie die gewünschte Zeit der Abschaltung, die auf maximal 40 Minuten begrenzt ist. Läuft eine SMS auf, so schaltet der GSM-Scout ein Signal auf die „Speicherprogrammierbare Steuerung“, die mittels dreier Fotozellen permanent die Intensität des Sonnenscheins überprüft. Ab einem definierten Wert wird ein Relais angestoßen, das für den eingegebenen Zeitraum den Stopp-Schalter aktiviert. Natürlich nur, wenn überhaupt die Sonne scheint, denn ohne Sonne kein Schatten und damit keine Abschaltung. Aber das ist bei jeder Windkraftanlage so.

Mit einem Schreiben wurden alle in Frage kommenden rund 150 Nachbarn der Windkraftanlage informiert und sogar aufgefordert, von der Abschaltung Gebrauch zu machen. Missbrauch gab es bislang nicht – vielleicht auch deshalb, weil sich bei einer SMS die Rufnummer nicht unterdrücken lässt.

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